Mittwoch, August 08, 2007

Sommer in der Stadt

Wären da nicht die munteren und überaus zutraulichen Meisen, mein kleiner Garten wäre nicht mehr als eine dreidimensionale Fototapete. Es blühen mittlerweile einige Blumen, selbst zwei Rosenstöcke sind angewachsen und gedeihen, Blumentöpfe sind befüllt, nicht nur mit Blumen sondern auch mit Kräutern und an der Hauswand versuche ich es mit Tomaten.
Einen richtigen Plan zur Umgestaltung der paar Quadratmeter Grün hatte ich nie, vertrete ich doch die Meinung, daß sich auch ein Garten entwickeln muß und dafür braucht es Zeit.
Doch daß sich unter meinem Garten die Tiefgarage befindet, die Erdauflage daher weniger als einen Meter stark ist, verändert die Ausgangslage erheblich.
Der Vorteil ist, ich muß nicht all zu oft rasenmähen. Das war's dann aber schon wieder. Die Nachteile sind grundsätzlicher und, wie ein Wortwitz, tiefgehender. Der Nährstoff- und vor allem der Wasserhaushalt entsprechen einem Extremstandort, was eigentlich fundamentale Auswirkungen auf die Auswahl der Bepflanzung haben hätte sollen. Meinen Vorgängern war es egal und ich wußte es zuerst nicht. Nun versuche ich natürlich zu kompensieren, zum Beispiel durch kurzes, dafür aber häufigeres Gießen. Aber viel entscheidender, wenn auch zur Zeit noch kaum bemerkbar, ist das Verwerfen bisheriger Gestaltungsvorstellungen.
Jetzt ist einmal beobachten angesagt. Was entwickelt sich wo und wie, was soll und was muß verändert werden. Ich habe nicht vor, gegen die Natur zu arbeiten und schön langsam entsteht ein neues Bild wie mein Garten einmal aussehen soll.

Mittwoch, Jänner 03, 2007

In der Stadt

Nach persönlich turbulenten Zeiten, bin ich nun in der Stadt gelandet. Zwar verfüge ich über einen eigenen kleinen Garten und auch rundherum prägen Gartenanlagen das Bild, doch werden sich nun meine Naturbeobachtungen wohl drastisch verändern.

Natürlich habe ich in meinem kleinen Garten wieder ein Futterhäuschen für die hier gebliebenen Vögel aufgestellt - auch wenn die für die Jahreszeit viel zu hohen Temperaturen ein Füttern nicht unbedingt notwendig machen. Trotzdem hängt es nun auf einem Ast, schaukelt im Wind, ist mit Sonnenblumenkernen befüllt und manchmal sogar von der Sonnen beschienen.
Wie es ja zu erwarten war, haben sich bis jetzt nicht die vielen unterschiedlichen Vogelarten eingestellt, die ich an meiner letzten Adresse im Wienerwald beobachten konnte. Immer wieder zu sehen sind Kohl- und Blaumeisen und gelegentlich erscheinen einige Spatzen. Doch in der Umgebung konnte ich, neben den überall anzufindenden Saatkrähen, auch schon einen kleinen Kleiber (Spechtmeise) und einen Buntspecht beobachten.
Es gibt sie also auch hier, meine gefiederten Freunde!

Montag, September 25, 2006

Vom Sterben

Der Kreis hat sich geschlossen.
Vor elf-einhalb Jahren hat es in der Form eines kleinen, hilflosen, noch blinden Welpen begonnen und nun ist es für eine schöne, intelligente, doch seit ein paar Monaten kranke Hundepersönlichkeit zu Ende gegangen. Elf-einhalb Jahre, doch noch immer viel zu früh und der Wunsch nach noch einigen gemeinsamen Jahren hat sich somit nicht erfüllt.
Carhu, meine Malamut-Hündin, hat ihren Kampf gegen den Krebs verloren, wir haben ihr Leiden beendet und nun ist sie tot, liegt begraben in der Erde und zurück bleibt nur mehr die Erinnerung.
Ich hätte sie gerne von alleine sterben lassen, doch nach Absprache mit meiner Tierärztin haben wir sie letztendlich getötet. Die Aussicht auf ein noch tagelanges, immer schlimmer werdendes Leiden hat mich überzeugt. Eine Betäubungsspritze, damit verbunden ein tiefes Einschlafen und nach wenigen Minuten die Todesspritze. Ein paar Mal noch tiefes Luftholen, das schon fast mehr wie Seufzer klang und dann - Ruhe, nichts mehr. Nichts, was wir wieder rückgängig machen hätten können.
Nicht, daß ich glaube falsch gehandelt zu haben, doch frage ich mich ob gewisse Prozesse des Lebens, das beste Beispiel ist wohl die Geburt, nicht einfach zwangsläufig mit Schmerzen verbunden sind, ja verbunden sein müssen?
Übergänge, Transformationsprozesse, die, warum auch immer, so große Veränderungen mit sich bringen, daß sich vielleicht nur durch starke, schmerzhafte Prozesse diese Transformation bewerkstelligen läßt.
In unserer Spaß und Freude-Gesellschaft wird Schmerz unter allen Umständen vermieden und ausgeschaltet. Ob wir uns damit selbst etwas Gutes tun? Und in diesem Bestreben Leiden zu vermeiden, ja zu verunmöglichen, frage ich mich allen Ernstes, ob ich als Mensch nicht willkürlich in einen Prozeß eingegriffen habe, der einfach noch nicht zu Ende gewesen war. Habe ich Carhu den Übergang wirklich erleichtert, habe ich ihr wirklich geholfen, oder war es mehr ein Beruhigen der eigenen Befindlichkeit?
Die Augen eingefallen, die Zunge schlaff aus dem Maul hängend, der Körper noch warm und weich, Urin tritt unkontrolliert aus - mehr ist danach nicht. Noch wirkt alles so lebendig und ist doch so, wie es nie zuvor gewesen ist. Man meint sogar noch den Brustkorb sich heben und senken zu sehen. Erst langsam wird der Körper kalt und dann auch starr - das hat dann nichts mehr mit Leben zu tun, da wird es klar, daß Leben ein so selbstverständliches und doch so unbegreifliches Mysterium ist.
Was der Tod bringt, außer Kummer für die, die zurückgelassen werden, weiß ich nicht, doch wünsche ich mir einen besseren, weil vertrauteren Umgang mit dem Sterben. Ich war schon auf vielen Begräbnissen, doch dies war das erste Sterben, das ich begleiten durfte.
Es läßt mich tief beeindruckt und mit vielen Fragen zurück.

Donnerstag, September 21, 2006

Carhu

25.01. 1995 - 21. 09. 2006

Dienstag, August 29, 2006

Ein kurzer Sommer

Durch eine hartnäckige Virusinfektion war ich nun über einen Monat krank und von der zu Beginn meiner Erkrankung herrschenden Hitzewelle, ist nichts mehr übrig geblieben. Aus dem schwül-heißen Hochsommer ist ein bereits merklich kühler und regennasser Frühherbst geworden. Erste Pilze wachsen, schon werden manche Blätter braun und fallen ab, die Samen reifen an den Bäumen und als wichtigster Hinweis darauf, daß etwas vorübergegangen ist, die Schwalben fehlen. Sie haben sich schon wieder auf ihren langen Weg in den Süden gemacht. Abgesehen von den nun wieder häufigen Regenwolken, ist der Himmel still und leer geworden. Kein munteres Zwitschern ist mehr zu hören, keine kunstvollen Flugmanöver sind zu beobachten. Nun ziehen wieder Wolken und der Wind fährt wieder unsanft in die Zweige.

Dienstag, August 22, 2006

Iktomi - die Spinne

August ist für mich der Kreuzspinnenmonat.
Und der Kreuzspinnenmonat verweist auf das Zuendegehen des Sommers und den nahenden Beginn des Herbstes.
Im August hängen die großen, zarten Spinnennetze zwischen den Ästen oder gar Bäumen und gehe ich querfeldein, passe ich auf, keines dieser wunderbaren Gebilde durch meine Bewegungen zu zerstören. Viele sind eher klein und in Bodennähe, doch manche spannen sich von Stamm zu Stamm und man fragt sich, wie diese kleinen Tiere das wohl bewerkstelligt haben. Ihre Kunstfertigkeit ist einfach beeindruckend.
Früher waren mir Spinnen nicht ganz geheuer und über Kreuzspinnen sind sowieso diverse Gerüchte im Umlauf. Es ist für unsere Gesellschaft bezeichnend, daß wir nichts Positives über diese Wesen zu berichten haben.
Darum war es für mich zuerst verwunderlich in indianischen Geschichten von einem schlauen Wesen zu hören, genannt Iktomi, die Spinne, das mit Späßen und Streichen den Menschen und andere Lebewesen an der Nase herumführt. Dieser ganz andere Zugang war aber auch befreiend. Befreiend von der Last all des Negativen, das diesem Wesen anhaftet.
Es öffnet sich dann für mich immer eine andere, schönere Welt, in der Lebewesen mit Respekt begegnet wird. In der auch die vielen Fähigkeiten und Besonderheiten der Tiere gewürdigt werden.

Freitag, August 18, 2006

Der große Baum

In den heutigen fortstwirtschaftlich intensiv genutzten Wäldern werden möglichst einheitliche, dichtgedrängte Baumbestände herangezogen und es bleibt wenig Raum für einzelne Bäume sich ihrer Art gemäß zu entfalten. Eine Buche im waldbaulich vorgegebenen dichten Verband ist schmal und hoch, kleinkronig und hat mit dem, wie Buchen sein könnten nur mehr wenig gemein.
Umso beeindruckender ist es, wenn sich plötzlich der Raum weitet und eine stattliche Rotbuche, an die dreißig Meter hoch, Platz für sich beansprucht - 30 Schritte im Durchmesser - 30 Schritte ohne auf einen anderen Baum zu treffen, 30 Schritte freie, behütete Fläche, 30 Schritte pastorale, beschirmte Baumherrlichkeit, 30 Schritte in deren Mitte ein Lebewesen steht, das mehrere hundert Jahre alt werden kann, 30 Schritte gedämpften, gebrochenen Lichts, 30 Schritte unter einer weit ausladenden Baumkrone, die sich elegant, ja fast zart ausbreitet, 30 Schritte die einen einladen sich zu lagern, hinzulegen und zu essen oder zu spielen, unter einem mächtigen grünschimmernden Laubdach.
Es ist einfach ein besonderer Ort. Ein Ort der zu so Vielem einlädt, den man aber auch demütig wieder verläßt, um seine Stille, um seine Erhabenheit nicht zu stören.

Donnerstag, August 03, 2006

Paradies Garten?

Eine Krankheit zwingt mich das Bett zu hüten und in den vergangenen Tagen blieben die Fenster aufgrund der herrschenden Hitze tagsüber geschlossen. Nun sind Wolken und Regen gekommen und es ist angenehm kühl geworden.
So lag ich gestern im Bett, das Fenster war weit geöffnet und von draußen drangen vertraute, mich merkwürdig beruhigende und gleichzeitig erheiternde Geräusche ins Innere des Zimmers. Krächzende, schnarrende Eichelhäher, die sich in den nahen Bäumen herumtrieben.
Etwas ungewöhnlich für die Jahreszeit, stellen sie sich doch meist erst im Herbst in den Gärten ein, wenn es schon ruhiger geworden ist und sich nicht mehr so viele Menschen in ihnen aufhalten, andererseits aber die Sämereien schon reif an den Zweigen hängen.
Nach den drückenden Tagen ist nun mit dem kühleren Wetter und dem Besuch der Eichelhäher eine Ahnung eines schönen Herbstes in mir aufgestiegen, eines Herbstes in einer großen Parkanlage, naturnah und doch nicht unberührt, ohne Menschen und doch nicht völlig menschenleer, gestaltet von einer Hand, die um ihre Beschränktheit weiß, die die Grenzen der Einflußnahme kennt und sich dennoch in einem Netz von gegenseitigen Abhängigkeiten geborgen fühlt.
Vielleicht war das Paradies kein Garten, sondern ein weitläufiger Park.

Dienstag, Juli 11, 2006

Ein Blick nach oben

Ich bin nicht geschult und doch versuche ich aufmerksam zu sein, versuche zu bemerken, versuche aufzumerken wenn... - ja, wenn etwas anders ist als gewöhnlich und doch wieder nicht so außergewöhnlich ist, daß es ungewöhnlich wäre.
Das zarte, muntere Zwitschern der Schwalben erfüllt die Luft und nun, da die Jungen flügge geworden sind, wenn auch noch ohne Ausdauer, aber schon mit beachtlicher Kunstfertigkeit, ist das heitere Geplauder allgegenwärtig. Ob sie sich elegant durch die Luft bewegen oder aufgereiht auf Leitungen sitzen, sie haben sich immer etwas mitzuteilen.
Diese munteren Schwalben sind die Hüter des Sommers. Kein anderer Vogel genießt derart die wohltuende Sonne und wird anscheinend, je wärmer, ja heißer es wird, umso aufgeweckter.
Und doch erregte in all dem fröhlichen Gezwitscher ein anderer Laut meine Aufmerksamkeit. Ein scharfer, aber trotzdem wohlklingender, hoher Laut. Über dem bunten Treiben war ein Falke aufgetaucht, nur kurz, schon flog er weiter, doch mit seinem markanten Ruf hatte er mich aufsehen lassen. Ich sah noch eine Weile in die Richtung, in die er verschwunden war, in der Hoffnung, ihn noch einmal zu Geischt zu bekommen, doch er tauchte nicht wieder auf.
Schön, ich hatte ihn gesehen, ich hatte ihn bemerkt, er war meiner Aufmerksamkeit nicht entgangen, und doch stellte sich mir die Frage, wieviel unbemerkt an mir vorüberzieht, wieviel sich unbemerkt in meinem Umfeld ereignet, ohne daß ich davon Kenntnis nehme, ohne daß ich davon Kenntnis nehmen konnte, da es sich meinen ungeschärften Sinnen nicht entdeckte?

Samstag, Juni 10, 2006

Für einen Moment am Nachmittag

Müde vom Leben, müde des vielen Regens, lag ich in der Veranda und las in einem Buch. Die Sonne schien, das Fenster war weit geöffnet und die milden Strahlen wärmten mich wohlig. Die Sinne wollten sich nicht so recht mit den Worten des Buches verbinden, die Augenlider wurden schwer, das Buch sank auf meine Brust und indem ich ruhig wurde, begannen meine Gedanken zu wandern.
Die Luft war erfüllt alleine vom Vogelgezwitscher, kein störender Autolärm, keine nervenden Rasenmäher, auch keine landenden Flugzeuge, keine menschlichen Stimmen. Nur die munteren Laute der Vögel und der Wind. Gelegentlich blähte sich das Sonnensegel im Garten und sank wieder in sich zusammen, mit vertrauten Lauten eines aufgezogenen Segels auf einem Schiff.
Aufgehoben in der Zeit, aufgehoben in den Elementen, in Wärme und Wind, fand ich Zeit zum Träumen, Zeit die Gedanken ziehen zu lassen, Zeit sich mit dem Leben zu treffen.